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10. Juli 2015

Leseprobe

 

Dass Texas ein großer Staat ist, weiß ich natürlich. Immerhin lebe ich hier schon seit meiner Geburt. Allerdings verändert sich der Blickwinkel enorm, wenn man Entfernungen plötzlich zu Fuß zurücklegen muss.
Summer und ich stammen aus Early. Das ist ein winziges Kaff im Norden von Texas. Als unsere Nachbarn plötzlich zu mordenden Monstern mutierten, zogen wir mit unseren Familien in die Sporthalle meiner Highschool. Sie sollte als sicheres Lager für uns »nicht Mutierte« dienen. Das funktionierte auch ganz gut. Zumindest, bis Larry sich infizierte.
Larry war unser Schulhausmeister. Er war klein und dick und ziemlich lustig. Nicht die Art gruseliger Hausmeister, wie man ihn sonst so kennt. Kein fieser, alter Typ, der einen ständig ermahnt oder lüstern ansieht. Er war ein patenter Kerl, der coole Geschichten über seine Zeit in Mexiko erzählte und uns Schüler nie beim Direktor verpfiff, wenn wir mal Mist bauten.
Zuletzt war Larry allerdings bloß noch ein sabberndes Etwas mit dem innigen Wunsch, jeden Einzelnen in der Sporthalle zu töten.
Ich glaube, ich habe die hervorstechendsten Merkmale dieser Kreaturen noch nicht erwähnt. Man denkt immer gleich an Zombies, wenn man sie sieht, aber so ist das eigentlich gar nicht. Sie sind stiller. Viel stiller. Und menschlicher. Es gibt kein wildes Gestöhne oder milchige Augen. Im Gegenteil! Ihre Augen sind nahezu schwarz. Richtig finster. So als hätte sich die Pupille über den gesamten Augapfel ergossen. Das Fiese ist nur, dass dies zwar das einfachste und augenscheinliche Erkennungsmerkmal der Dinger ist, es aber erst ein paar Stunden nach der eigentlichen Infektion auftritt. Wenn dein Vater sich also in einen Deadhead verwandelt, dann weißt du es erst, wenn er mit einer Axt auf dich losgeht, oder du wartest ein paar Stunden und leuchtest ihm mal dezent ins Auge.
Sie haben keine heraushängenden Gedärme oder fehlende Gliedmaßen. Okay, manchmal schon, aber nicht so wie in den Filmen. Sie sind nicht tot. Sie sind eben … anders. Wütend, würde ich sagen.
Ein Zombie hat einfach nur Hunger. Er streift durchs Land und isst, was ihm unter die verwesenden Finger kommt. Ein Deadhead – und der Name trifft es echt gut, denn sie wirken tatsächlich hohl und tot – will bloß das Leben seines Opfers beenden. Er nagt nicht an seiner Beute, er will sie nur erledigen.
Warum das so ist? Keine Ahnung. Niemand versteht die Krankheit, wenn man es noch so nennen kann. Es ist ein wenig wie Tollwut, nur subtiler.
Deadheads sind kreativ. Sie verfügen noch über so etwas wie Einfallsreichtum. Das lässt sie mitunter menschlicher erscheinen, aber man darf sich nicht täuschen lassen. Du kannst einen Deadhead nicht um dein Leben anflehen, wenn er gerade nach einer Möglichkeit sucht, dich umzubringen. Du bist ihm egal. Er ist vielleicht schlau genug, um sich einen Stein zu suchen, um dir damit den Schädel einzuschlagen, aber er wird nicht zuhören, wenn du ihm erklärst, dass ihr früher mal Freunde wart.
Deswegen hat es Larry auch nicht interessiert, was die knapp einhundertfünfzig Leute in der Sporthalle zu sagen hatten, als er sie mit Benzin übergossen und angezündet hat. Er ist die Sache zwar strategisch angegangen, hat mit seiner Operation direkt neben einem von zwei möglichen Fluchtwegen begonnen und sich zügig vorgearbeitet, aber er konnte den Versuchen der Erwachsenen, ihn davon abzubringen, nichts abgewinnen.
Am Ende entkam nur eine Handvoll panischer Leute durch Ausgang Nummer zwei. Unter ihnen auch Summer und ich. Unsere Eltern hatten zu Larrys ersten Opfern gezählt, genau wie viele Freunde und andere, die ihnen helfen wollten. Die Turnhalle war schnell zur Todesfalle geworden und draußen erwarteten uns weitere Geistesgestörte von Larrys Gattung.
Summers kleiner Bruder starb noch an Ort und Stelle bei einem Angriff von ein paar infizierten Mädchen. Deadheads arbeiten gut zusammen. Sie scheinen zwischen uns und ihrer eigenen Art unterscheiden zu können. Sie töten sich niemals gegenseitig, sondern arbeiten lieber Hand in Hand. Summers Bruder wurde aus ihren Armen gerissen und schlug hart mit dem Kopf auf dem Boden auf. Er war sofort tot und dann war es an mir, meine wie verrückt kreischende Freundin aus der »roten Zone« zu evakuieren.
Unsere Gruppe bestand damals aus sieben Leuten. Rob und Mary waren auch dabei. Zwei der anderen wurden praktisch über Nacht zu Deadheads und wir rannten vor ihnen weg. Ein anderes Mädchen, sie hieß Andrea, wurde am dritten Tag nach der Sache mit Larry von einem Deadhead erledigt, der sich an unser Lager herangeschlichen hatte. Sie machte Bekanntschaft mit einem rostigen Schaufelblatt. Rob tötete den Deadhead schließlich. Leider zu spät.
Damals brauchten wir ziemlich lange, bis wir an einem Punkt angelangt waren, an welchem wir mit dem Pläneschmieden begannen. Wochenlang versteckten wir uns in verschiedenen Häusern, aßen, was in den Küchen und Speisekammern herumlag, und hatten einfach nur Angst. Wir waren alle wie betäubt. Und wir waren uns sicher, dass jemand kommen und uns retten würde. Irgendwer.
Doch es kam niemand.
Nachdem es also immer deutlicher wurde, dass wir auf uns allein gestellt waren, beschlossen wir, uns in Richtung Küste durchzuschlagen. Es erschien uns sinnvoll. So hatten wir zumindest ein Ziel und eine Richtung. Insgeheim setzten wir darauf, dass wir unterwegs auf Rettung stoßen würden. Auf andere Überlebende, auf Soldaten oder auf jemanden, der mehr wusste als wir. Erst später, als wir auf Sam und Gadget trafen, wandelte sich unser Ziel. Wenn auch nur geringfügig, denn der Navy-Stützpunkt Corpus Christi, wo Sams Onkel stationiert war, lag schließlich ebenfalls am Wasser. Zwei Fliegen …
Die Küste war deswegen verlockend, weil Deadheads weder Autofahren noch Tretboot fahren können. Wir überlegten, uns vor Ort ein Boot zu schnappen und zu irgendeiner Insel zu schippern, sollte es den Stützpunkt nicht mehr geben. Das Festland war die Todeszone. Vielleicht sah es an Orten, die von ihm abgeschnitten waren, anders aus?
Unsere erste Station wurde Austin. Und da erkannte ich zum ersten Mal, wie weit ein paar Meilen sein können, wenn man zu Fuß unterwegs ist. Sich ein Auto zu schnappen, stand nämlich nicht zur Debatte. Der Krach hätte Horden dieser Kreaturen angezogen und außerdem funktionierte kaum noch ein Vehikel, aber dazu später mehr. Unsere Hoffnung, in einer großen Stadt wie Austin könnte die Lage besser aussehen, wurde herb enttäuscht. Es war ein Schlachtfeld. Was nicht abgebrannt oder zerstört war, wimmelte von Monstern. Schon nach wenigen Stunden ließen wir die Gegend hinter uns und versuchten unser Glück lieber auf der Straße.
Zwischen Austin und dem Ozean liegen knapp 350 Meilen. Wie gesagt, ich weiß, dass Texas groß ist. Sehr groß. Aber heute wirkt es auf mich tausendmal größer als damals. Denn heute befinde ich mich auf einem nicht enden wollenden Marsch durch dieses unendlich unendliche Land. Aber das wirklich Verrückte ist, dass wir auf unserem Weg bisher kaum einer Menschenseele begegnet sind. Nur ganz am Anfang. Da gab es ein paar Leute. Kleine Gruppen, die sich zu Verwandten oder irgendwelchen Institutionen durchschlagen wollten. Auch waren viele Plünderer und zwielichtige Typen dabei. Wir haben uns meist vor ihnen versteckt, blieben unter uns. Man kann ja nicht vorsichtig genug sein.

 

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